Jodel und Twitter – Die zweieiigen Zwillinge

Wie jeder anständige Bewohner eine Großstadt unter 40 besitze ich sowohl einen Jodel als auch einen Twitter Account. Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass die beiden sozialen Netzwerke gewissermaßen Zwillinge sind. Twitter ist in dieser Konstellation der vernünftige Zwilling der an der Börse ist und Geld verdient, während Jodel der witzigere Zwilling ist, der aber nichts auf die Reihe bekommt. Für alle Unwissenden möchte ich die beiden sozialen Netzwerke einmal vorstellen und vergleichen.

Jodel 

Mittlerweile ist Jodel zwar auch über die besten Posts bekannt, die regelmäßig auf Facebookseiten wie “Best of Jodel” landen, aber Jodel funktioniert im Prinzip so, dass es in jeder Stadt einen Feed gibt. Jeder Nutzer kann in diesen Feed posten und alle in einem gewissen Bereich sehen diesen Post (Jodel). Jeder Post ist daher zwar auf die Region/Stadt beschränkt, allerdings hat damit auch jeder Jodel die ganze Stadt als Reichweite zur Verfügung.

Das interessante ist, dass alle Posts anonym sind und es keine sichtbaren Accounts gibt. Es gibt eine soziale Belohnung für gelungene Posts in Form von Upvotes, die auch mit der Währung “Karma” belohnt werden, allerdings ist dieses nur für den Nutzer selber zu sehen. Es gibt daher keine Meinungsführer und jeder Post hat dieselbe Chance eine hohe Anzahl von Upvotes zu bekommen Neben diesem Hauptfeed kann man sich die meist kommentierten Posts oder die Posts mit den höchsten Upvotes angucken. Mittlerweile gibt es auch verschiedene Channels, die nach Themen sortiert sind. Persönlich gefällt mir diese Neuerung nicht so gut, da es die Community zerstückelt. Bemerkenswert ist, dass die Community sich sehr stark selbst reguliert. Beleidigende oder rassistische Posts werden heruntergevotet und bei einem Stand von -5 Votes sind die Jodel automatisch gelöscht.

Twitter

Twitter ist im Vergleich dazu deutlich ernster. Grundsätzlich kann jeder Nutzer anhand von Hashtags zu jedem Thema einen Tweet verfassen. Allerdings werden die Tweets deutlich mehr vorsortiert. Dies geschieht auf der einen Seite dadurch, dass in dem Hauptfeed nur bereits verfolgte Personen angezeigt werden und auf der anderen Seite dadurch, dass die Toptweets unter jedem Hashtag ausgewählt werden.  Im Vergleich zu Jodel können daher selbst besonders witzige Tweets keine große Aufmerksamkeit erreichen. Dies musste ich an eigenem Leib erfahren. Als Beispiel hat mein Tweet zur #MeeToo Debatte: “Der #Aufschrei zu #meetoo ist völlig unnötig. Benutzt einfach den Meisterball und ihr fangt in sofort. #mewtwo” viel zu wenig Resonanz bekommen.

Insgesamt ist die Community von Twitter deutlich negativer und weniger herzlich als die Jodelcommunity. Dafür ist Twitter aber eine nützliche Informationsquelle. Dafür sorgen verschiedene Zeitungen, die ihre Mitteilungen meistens direkt über Twitter teilen oder Politiker selber, die ihre Statements direkt über Twitter verkünden und nicht mehr auf Medien angewiesen sind. Wahrscheinlich erfährt man als Follower von Trump, noch bevor es von irgendeinem Nachrichtensender verbreitet wurde, den Start des Kriegs gegen Nordkorea.

Fazit

Jodel und Twitter bedienen ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Wer unterhalten werden möchte und ab und zu einen guten Spruch posten will, der ist auf Jodel. Wer sich über Politik informieren möchte und ab und zu gegen “die da oben” pöbeln will, der findet sich bei Twitter gut aufgehoben. Man könnte sagen, dass Jodel das Tutorial ist, nach dem mit Twitter das schwierige Hauptspiel kommt. Beide Plattformen ermöglichen es seine Meinung ohne Filter zu äußern und Debatten wie #Aufschrei und #Metoo auszulösen. Bewusst behandelt dieser Beitrag nicht das Thema Facebook. Jeder weiß, dass Facebook in seiner Funktion als soziales Netzwerk tot ist. Dumme Videos gucke ich mir lieber bei Youtube an.

 

“Herr Schriftsteller, sind Sie frei von Ihrem bürgerlichen Verleger?” Wladimir Iljitsch Uljanow

 

(Wer mehr Feuerwerk des guten Humors bekommen möchte, kann mir gerne folgen unter Pie_rats. Vor einigen Jahren fand ich das Wortspiel mit Pie/Kuchen und Rats/Raten und Piraten irgendwie witzig)




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