Opferidealisierung „victim blaming“ – Verantwortung und Schuld

Opferidealisierung ist inzwischen zu einem Reflex geworden, der sich zu häufig in einer Form des neuen „victim blaming“ äußert. „victim blaming“ war ursprünglich eben das Gegenteil der Opferidealisierung. Ursprünglich war es die sehr abschreckende Form justiziell oder gesellschaftlich Opfer zu Tätern zu machen. Dies häufig nach dem Motto „Sie will das doch“ bei Vergewaltigungen.

Doch heute ist es getreu emotionalen Diskussionen bei denen Fakten weitgehend ignoriert werden das wichtigste das Opfer zu finden und zu idealisieren. Dies steht an vorderster Front. Es ist gleichzeitig die erste Verteidigungsstrategie derjenigen, die längst nicht mehr sachlich diskutieren möchten.

Gleichzeitig stammt diese Form der Opferidealisierung aus einem linken politischen Spektrum, dass sich lange von der edlen Arbeiterbewegung der Sozialdemokratie oder der liberalen Menschenrechtsbewegungen der Aufklärung entfernt hat. Es geht nicht mehr um soziale oder politische Fragen, sondern die Verachtung von Meinungsfreiheit und um forcierte Segregation.

Gibt es Vorfälle gerade Straftaten von nationalem Interesse wie momentan jene begangen von Geflüchteten, Rechtsradikalen, fundamentalistischen Muslimen und Illegalen wird häufig der Täter zum Opfer stilisiert während die Opfer entweder kollateral oder marginal behandelt werden oder andere Gruppen zum Täter gemacht.

Es werden eher Ausreden und Ausflüchte gesucht als tatsächlich zur Lösung von Problemen beigetragen wird. Bei dem taharrush gamea in Köln ging es im Anschluss um die sozio-ökonomisch benachteiligten Illegalen, die sich nicht mal in diesem Land aufhalten dürfen, was Irrsinn ist und diese wurden auch noch von allen Seiten in einen Topf geworfen mit Asylberechtigten Menschen, die tatsächlich von einem Staatsversagen getragen in die Traditionen fremder Kulturen hineingeworfen wurden.

Anstatt zu trennen und diejenigen, deren Aufenthalt nicht berechtigt ist rauszuschmeißen und diejenigen, die Hilfe und Unterstützung benötigen aufzufangen ging es direkt in den Lagerkampf über. Wer denn nun am meisten versagt hat ist bis heute zu Wahlkampfpolemik geschrumpft. Das Sicherheitsgefühl ist nachhaltig angegriffen und während keinem geholfen ist randalieren, die gleichen weiter während die Polizisten weitere Überstunden aufschichten um Bürgerkriegszustände zu unterbinden.

Der grüne Reflex von Frau Renate Künast und Simone Peters die Polizei als Täter auszumachen, wenn sie den Rechtsstaat verteidigt wurde auf der anderen Seite verurteilt. Während Frau Künast es schaffte und dies respektiere ich als wirklich hochgradig witzig die Debatte auf eine für die Meinungsfreiheit umzuwälzen wobei ich ihr völlig zustimme scheiterte Frau Peters daran und machte sich zum Opfer. In diesem Sinne Frau Künast ich finde es auch richtig alles sagen zu dürfen, was nicht strafrechtlich zu verfolgen ist, gerade auf einer privaten Plattform und Frau Peters, heulen Sie doch!

Ein gepflegtes Heul doch! trifft für mich auch auf andere Prominente zu, die sich zu gerne zu Opfern stilisieren. Ein großartiges Beispiel hierbei bildet für mich auch Lamya Kaddor. Frau Kaddor äußert sich häufig aus einem Status der Opfer heraus um eine Segregation zu forcieren. Mit ihren Aussagen zum Deutschsein heute nimmt sie rassische Trennungen vor. Sie nimmt religiöse Trennungen vor. Sie will auch selber Opfer sein, da sie böse Nachrichten von Fremden bekommt und lieber auf Promotour fahren möchte. Ich möchte sie dennoch unterstützen, da es jedem liberalen Menschen ja egal ist was wer tut, aber wer lieber auf Rasse und Religion pocht anstatt es schlicht nicht mehr als Unterschiede zu begreifen widerspricht seinem Opferstatus.

Die Verfolgung von Rechtsextremisten wie den geistig verwirrten oder dummen Reichsbürgern schlägt leider in das gleiche Muster. Als eine der drei großen Gefahren für unsere Demokratie sind Rechtsextreme nicht zu unterschätzen. Gerade in Zeiten in denen mit Begriffen wie Nazi um sich geworfen wird wie in einem Scat-Porno mit Fäkalien.

Bei der nun endlich anlaufenden Niedermachung dieser Idioten wird aber wieder nur Schuld verteilt. Diese Stellen haben es zu lange ignoriert, diese waren „auf dem rechten Auge blind“ und gerne auch noch eine Runde die Abgehängten. Eine tatsächliche Bekämpfung von Extremisten bevor man sich mit Radikalen, Libertären und Konservativen beschäftigt ist auch zweitrangig. Irgendwie wird aus Anschlägen auf Asylheime und Moscheen Staatskritik und Hexenjagd.

Ich möchte persönlich, dass Opferidealisierung aufhört. Ich wünsche mir eine Politik und Gesellschaft der Verantwortung und nicht der Schuld. Opferidealisierung führt dazu, dass diejenigen, die am lautesten schreien und am schnellsten sexisitisch, rassistisch und islamophob gesagt haben gewinnen. Es entfernt von der eigentlichen Diskussion und führt zu der Entwertung von tatsächlichen Gefährdungen.

Wenn politische Institutionen und Akteure ihre Verantwortung annehmen und Verbesserung anstreben kann man ihnen schlecht etwas vorwerfen. Wenn Prominente ihre Äußerungen treffen und dann bei Gegenwind lachen können und künastesk auf ihre Meinungsfreiheit beharren ist es ihre Karriere, die dadurch besser oder schlechter läuft. Und wenn wir uns tatsächlichen Problemen verantwortungsvoll stellen kann diese Gesellschaft dort zusammen wachsen, wo falsche Toleranz und das Verbot der Freiheit der Meinung zu Spaltung und das gegenseitige Ausspielen von Bevölkerungsgruppen(„diejenigen, die länger und kürzer hier leben“) sie gespalten haben. Ein gemeinsames Stehen zu der säkularen Gesellschaft, irgendwo in der gewaltfreien Schwebe zwischen linksradikaler und rechtsradikaler Meinungsäußerung könnte sich eine Mitte bilden, die nicht mehr Schuld zuweist, sondern Verantwortung übernimmt.

 




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