Nicht Blumen Topf sein Blog Beiträgen

Ein wesentliches Charakteristikum der modernen westlichen Demokratie ist der Pluralismus. Unter Pluralismus versteht man grob zusammengefasst, dass es unterschiedliche Weltanschauungen und Wertvorstellungen in einer Gesellschaft gibt. Die Aufgabe eines demokratischen Systems besteht darin, zwischen diesen unterschiedlichen Weltanschauungen einen Diskurs herzustellen und Verfahren zu entwickeln um gerechte Kompromisse zu erzielen. In Deutschland hat dies in der Vergangenheit vergleichsweise gut funktioniert.

Wenn man heute allerdings aktuelle Diskussionen verfolgt scheint es, als wäre dieser Diskurs kaum noch möglich. Das offensichtlichste Beispiel dabei ist die Diskussion um Flüchtlinge. Auf der einen Seite findet sich eine extreme Position, die alle Menschen die Flüchtlingen positiv gegenüber stehen als Gutmenschen abwertet. Auf der anderen Seite werden Menschen die Flüchtlingen negativ gegenüber stehen als Nazis verunglimpft. Wie kommt es zu dieser Unfähigkeit zum Diskurs? Man könnte argumentieren, dass Dummheit auf der einen oder anderen Seite dazu führt. Die Ursache liegt aber tiefer.

Die Grundlage eines jeden Diskurs ist eine gemeinsame Basis auf welcher diskutiert werden kann. Dazu muss Einigkeit über grundsätzliche Fakten bestehen. Beispielsweise müssen sich die Teilnehmer des Diskurses um den Mindestlohn über grundsätzliche wirtschaftliche Zusammenhänge einig sein, um überhaupt eine Diskussion zu ermöglichen. Ausgehend von dieser Basis können unterschiedliche Meinungen diskutiert werden und ein Kompromiss gefunden werden. Diese Basis fehlt in vielen Diskursen heutzutage.

Woran liegt das?

Die einfache Antwort ist: Facebook. Dies erfordert eine Erklärung. Überraschender Weise möchte ich dafür auf eine Rede von Angela Merkel verweisen. „In den Zeiten, als ich groß geworden bin, war klar, dass man zwei Fernsehprogramme im Westen hatte. Wenn man DDR-Fernsehen nicht gesehen hat, hat man eben darüber gesprochen, ob man ZDF oder ARD gesehen hat. Damit war schon ein gemeinsamer Gesprächsstoff für den nächsten Tag da. Heute können Sie bestenfalls noch bei einem Nationalmannschaftsspiel“. Dieses Zitat beschreibt eindrücklich, dass durch das Internet und die daraus folgende Individualisierung dazu führt, dass eine gemeinsame Basis verloren gegangen ist. Dieser Trend geht immer weiter. Heutzutage gibt es nicht nur verschiedene Fernsehsender, es gibt auch Youtube, Netflix und unendlich viele weitere Angebote. Deutlich problematischer ist allerdings, dass nicht nur die Unterhaltung individualisiert ist, sondern auch Nachrichten. Es gibt extrem viele unterschiedliche Nachrichtenseiten, die teilweise widersprüchliche Fakten präsentieren. Das eigentliche Problem ist allerdings, dass die meisten Nachrichtenseiten relativ einseitig berichten. Normalerweise kann man von halbwegs gebildeten Menschen erwarten, dass sie sich dann noch andere Informationen besorgen. Hier kommt nun Facebook ins Spiel. Facebook hat das Ziel, dass die Nutzer möglichst lange und aktiv auf Facebook bleiben. Daher gibt es den Algorithmus, dass man Sachen angezeigt bekommt, die man sich vorher angesehen hat und die einem wahrscheinlich gefallen. Falls man sich also einen kritischen Artikel über Flüchtlinge angeguckt hat werden in Zukunft viele verschiedene kritische Artikel angezeigt. Das führt dazu, dass Eindruck entsteht Flüchtlinge sind eine extreme Gefahr. Wenn sich nun eine andere Person eher freundliche Artikel anguckt, werden auch eher freundliche Beiträge angezeigt. Diese beiden Personen bauen sich eine komplett unterschiedliche Realität zusammen. Ein Diskurs ist nun fast nicht mehr möglich. Dies ist in einer Demokratie schwierig auszuhalten.

In den USA zeigt sich ein ähnliches Phänomen. Die Zuschauer von dem konservativem Sender Fox News leben in einer komplett anderen Welt wie die Zuschauer von liberalen Sendern wie MSNBC.

Wie sollte eine Demokratie mit so einer Entwicklung umgehen? Die fortschreitende Individualisierung lässt sich nicht aufhalten. Es gibt also nur die wenig zufriedenstellende Antwort, dass der Staat dafür zu sorgen hat, dass die Menschen bereits in jungem Alter in Medienkompetenz geschult werden. Nur wenn die Menschen lernen verschiedene Standpunkte zu betrachten kann wieder eine gemeinsame Basis geschaffen werden.

 

-„Es ist allgemein anerkannt, dass keine Wissenschaft ohne Kampf der Meinungen, ohne Freiheit der Kritik sich entwickeln und gedeihen kann“ -Josef Stalin




Aktuelles Lebensstil

Das neue Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) stößt auf massive Kritik von vielerlei Seiten. Federführend hierbei ist der BesD und dies sollte einem bereits bei der Namensgebung zu Denken geben. Dass SexarbeiterInnen wohl organisiert sind und trotz der kriminellen Flecken die auf dem Gewerbe lasten Menschen mit Würde und hoffentlich in Zukunft salonfähigen Berufen sind sollte eigentlich gerade für die Politik nicht unbekannt sein. Ich möchte mich in diesem Beitrag mit der Frage beschäftigen wie es passieren kann, dass ein Parlament ein Gesetz beschließt um eine mündige Personengruppe zu schützen und diese Gruppe den Schutz nicht ablehnt, sondern das Gegenteil namentlich Repression und Erleichterung von Kriminalität feststellen muss.

Statt nach der schrittweisen Legalisierung der Sexarbeit die dunklen Stellen reinzuwaschen, also Menschenhandel, Zwangsprostitution, Zuhälterei und Schutzgelderpresser treffen die neuen Regelungen lediglich die SexarbeiterInnen und erleichtern Zwangsprostitution.

Der sogenannte Hurenpass hebt die Anonymität auf, die Meldepflicht schränkt die Ausübung des Berufes an sich ein während gleichzeitig Zwangsprostituierte von ihren Zuhältern zum Amt geschleppt werden damit sie jeder weiteren Kontrolle entgehen.

Statt auf Kommunikation und gerade in gesundheitlichen Aspekten auf Prävention zu setzen schießt man also mit Kanonen auf Spatzen und lässt damit den ganzen Häuserblock einstürzen in dem Gebrechliche, Kinder und Heilige wohnen.

Ich möchte hier definitiv unterstellen, dass dies zum einen auf Ignoranz gegründet ist desweiteren auf den Druck irgendwas zu beschließen und schließlich und tatsächlich auf die Eindämmung der Sexarbeit an sich.

Hier kann man sich nicht auf das gutbürgerliche Denken und auch nicht auf die christlichen Werte beziehen. Auch die Heranziehung von der Freiheit der Frau lässt sich wohl kaum zu einem Grund machen, wenn ihr wie schon einmal das Recht auf die freie Berufsausübung genommen wird.

Das Prostituiertenschutzgesetz ist und da schließe ich mich der Kritik vollkommen an vielmehr ein Prostituiertenkontrollgesetz. Und dieses nicht aus Gründen der Menschlichkeit, sondern vielmehr aus Gründen von Ignoranz und Intoleranz.

Ich kann als Hamburger nur tolerant mit Sexarbeit umgehen und schon zu oft ist es mir begegnet, dass dieses Thema auch von angeblichen toleranten und freiheitsliebenden Menschen schmuddelig gehalten wird damit es schmuddelig bleibt. Und nun gibt ihnen die Politik auch noch Recht. Das ist ein Zustand den ich erbärmlich und auch abstoßend finde.

Es wäre so einfach den Weg der Kommunikation und der offenen Diskussion zu wählen, wenn sich diese Menschen nur davon befreien könnten ihren fanatischen Traditionalismus abzulegen oder ihre eigenen Werte einmal zu reflektieren und die Würde und das Recht des Menschen noch größer zu machen.




Aktuelles

Ich bin mir bei Nachrichten einer Sache sicher. Sie dienen zum verdienen durch Information. Auch ist mir völlig bewusst, dass es zielgruppenangepasste Medien gibt. Doch gleichzeitig bin ich der Idee verfallen, dass Journalisten und Publizisten einen persönlichen Anspruch haben also den Rahmen ihrer Vorgaben so zu erfüllen, dass sowohl dem Verkauf als auch der Leistung ihr Wert beigemessen wird.

Dann schaute ich eine Primetime Nachrichtensendung.

In der Rubrik Erfindungen wurde das Bungeehaargummi vorgestellt. Gleichzeitig war mir aus einer anderen medialen Quelle berichtet worden, dass an dem selben Tag der Beweis für die reale Möglichkeit eines Traktorstrahls erbracht worden ist.

Nun ist für mich persönlich die Wertung welche Erfindung wichtiger ist zwar klar, aber da möchte ich gar keinen bürgerlichen Chauvinismus üben. Wahrscheinlich ist das Bungeehaargummi für mehr Menschen aktuell wichtig als der Traktorstrahl.

Doch das störende an diesem Verfahren war für mich, dass der Traktorstrahl das aktuelle Thema war während der Trend des Bungeehaargummis bereits Monate alt war und vor allem altbekannt. Der reine Informationsgehalt war 0.

So hätte ich mich über eine aktuelle Darstellung von Haargummitrends vielleicht gefreut oder ihr zugestanden, dass es einen umfassenden Blick auf einen so elementaren Alltagsgegenstand gibt. Aber für eine viertelstündige Nachrichtensendung in der Rubrik der Neuheiten den Traktorstrahl zu ignorieren und das bekannte Bungeehaargummi zu wählen zeugt für mich von einem willfährigen Dienst an einem Publikum, welches von Nachrichten keine Nachrichten mehr erwartet.

Statt den Geist zu wecken und die Gedanken zu beflügeln, was selbst ein gekaufter Trendyoutuber schafft wird hier schlicht erzählt was alle bereits wissen. Es wird eine Rubrik mit Leere gefüllt.

Es ist eines der großen Merkmale von bildungsferner Kommunikation, dass nur Dinge erzählt werden, die allen Kommunikationsteilnehmer bekannt sind. Wenn eine bundesweit ausgestrahlte Nachrichtensendung also das niedrigste Level der Kommunikation wählt wie weit ist es dann mit den Medien gekommen?

 

 



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Feigheit ist ein Begriff der wohl im Kern dem kämpferischen Ethos als Kardinalslaster entspringt. Doch eine wirklich schwierige Begrifflichkeit wird Feigheit wohl im Bereich des Suizids. Im kämpferischen gibt es die klassische Feigheit vor dem Feind und den Ehrenverlust durch das Fliehen oder das Unterlassen von Handlungen. Hier wiegt wohl die Narbe auf dem Rücken schwerer als die durchnässte Unterbekleidung.

Die Ankündigung des Suizids im Großen oder auch die Selbstdarstellung bei einem ist nach meinem Empfinden ein großer Hilfeschrei. Daher wirkt hier bei den Verhandlungen auch die Feuerwehruniform am besten also die Möglichkeit das eigene Gesicht zu wahren. Das Belasten anderer durch beispielweise die Selbsttötung durch das Springen vor einen Zug wird ebenfalls oft negativ wahrgenommen, auch von mir.

Wer sich umbringen möchte der tut dies oder versucht es. Die Gedankenlage bei einem Suizid ist unfassbar komplex so kann das Einlenken durchaus ein Erkenntnisgewinn in einer Extremlage sein. Hier wird oft von Feigheit gesprochen. Zu feige zu sterben oder Angehörige zu hinterlassen. Die andere Sichtweise ist dass der Suzidale zu feige ist zu leben und lediglich die einfachste Fluchtmöglichkeit wählt.

Bei diesen Überlegungen kommt der Suizidale nicht besonders gut weg, da ihm immer das Laster der Schwäche anhaftet.

Ich persönlich denke, dass Feigheit immer seinen eigenen Kontext hat und ich habe diesen speziellen Kontext gewählt, da niemand der in seinem Umfeld Selbstmorde oder Selbstmordversuche erlebt hat es wagen würde darüber negativ zu sprechen. Den Toten ist nunmal Ehre zu erweisen.

Die Feigheit selbst allerdings ist hier am besten zu definieren.

Feigheit tritt gerade in jenen Situationen auf in welchen es um Entscheidungen geht. Also ist die Vorstellung der Konsequenz das Angsteinflößende. Daher ist der Schrecken vor der Zukunft ein eigens erfundener Grund für die eigene Handlung. Damit kann Feigheit sich nur dadurch unterscheiden welche Konsequenzen der Mensch sich selbst vorstellt. Daraus folgere ich, dass die Fremdbeurteilung von Feigheit kaum möglich scheint.

Die einzige Beurteilung, die sinnig erscheint ist die Beurteilung von anderen Menschen, welche in der exakt selben Lage und Position sind auch wenn diese nicht den Hintergrund des Individuums teilen. Vielleicht sind es gerade die Krieger die den Tod suchen welche wirklich feige sind.




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Der Mond war dereinst der Inbegriff der Attraktivität. Er war sexy. Im kalten Krieg gab es den Wettlauf um den Mond und die große Eroberung des irdischen Mondes. Er schien so unerreichbar und doch gab die Menschheit nicht auf. Sie scheute weder Kosten noch Mühen und schaffte es schließlich einen großen Schritt zu gehen.

Der Mond ist nicht mehr der Inbegriff der Attraktivität. Es waren gerade einmal 12 Menschen auf ihm, aber seinen verführerischen Reiz hat er verloren. Es gibt nicht einmal mehr Mitbewerber falls man auf den Mond will. Manche wollen jetzt auf dem Mars siedeln, andere Asteroiden in seine Umlaufbahn ziehen und wieder andere tiefer in den Weltraum vorstoßen als je zuvor.

Tatsächlich ist dies für mich eine noch ungelebte Form der Attraktivität. Es scheint tatsächlich attraktiv also wortwörtlich anziehend zu sein, wenn man gar nicht will. Wenig scheint einen Partner in der Welt der umkämpften Suche mehr zu erfüllen als die eine Ausnahme zu sein. Eine Beziehung zu brechen hat für Männer oft mehr mit ihrem Sexualvermögen zu tun, aber ich möchte hier doch den emotionalen Bruch aufzeigen, der zivilisiertere Menschen weit mehr reizt. Das Brechen einer Beziehung durch Sexualität erscheint geradezu primatenhaft, wenn man die eine Ausnahme sein kann, die noch eine größere emotionale Verbindung erreichen kann.

Das Zeigen von Interesse ist hier tatsächlich hinderlich wobei es nicht um das klischeehafte „Arschlochtum“ geht. Es ist das ganz klassische Entschuldigen entgegen der Anziehungskraft des anderen, allerdings sei man emotional immernoch seiner einen wahren Liebe verhaftet. Dieses wirkt wirklich anziehend.

Der Mond wurde bereist und erforscht. Und das wird er natürlich auch weiterhin, aber attraktiv ist er nicht mehr. Er ist erforschtes Gebiet und bietet nicht mehr die einmalige Chance derjenige welcher zu sein. Man kann ihn nicht mehr aus seiner einsamen verzweifelt glücklichen Nibelungentreue zu seiner verlorenen Chance aus dem Weltall reißen. Da würde ich viel lieber auf dem Mars leben.




Lebensstil

Was ist eigentlich der Zauber an der Magie? Magie übt seit ewiger Zeit einen Reiz für die Menschheit aus. Doch inzwischen dient sie nicht mehr der Erklärung der Grenzen der Naturwissenschaft, sondern den Träumen. Der Aberglaube und die Hexerei sind der Spiritualität und der Fantasy gewichen. Gleichzeitig ist die Rezeption von Magie durch Buch und Film enorm.

Vielleicht ist es die alte Frage Shakespeares was der Mensch aus Macht und Möglichkeit macht. Tolkien, der Begründer der modernen Fantasyliteratur, wählte die Welt der Magie um eine Welt zu schaffen und kam sich dabei als gläubiger Christ so göttlich vor, dass er für jede erdachte Spezies außer den Menschen einen Seelenhort schuf, da er dies dem Herrgott nicht absprechen wollte.

So leid es mir fallen mag muss ich Frau Stephenie Meyer zugestehen, dass sie das Genre der Low Fantasy rund um die alten Wesen wiederbelebt hat. Die Sagen um die magischen Kreaturen der Legenden und Mythen fanden sich überall wieder mit einer aktuellen Facette. Lediglich bei Lovecraft hat dies noch keiner geschafft.

Die Magie im alltäglichen und nicht in der von mir mehr geschätzten Epik ferner Welten wie Albenmark hält es auch mit der Mystik wie etwa Harry Potter. Der literarische Kritikpunkt an Harry Potter bleibt wohl, dass das Regelwerk für Magie schlicht nicht existiert. Und doch rennen Menschen in London gegen Wände in der Hoffnung auf einen Zug, der in Schottland fährt.

So wird jede magische und zauberhaft Facette der Vorstellungskraft immer wieder neu erfunden, egal ob in Form eines Buches, Comicbuches oder cineastisch. Ich denke der Zauber an der Magie ist tatsächlich und einfach das Fantastische. Die Spiritualität, die sich einfach und menschlich danach sehnt, dass es etwas größeres gibt und dass dieses aufregend ist. Es ist eine Welt der Träumer und Gedankenakrobaten. In Videospielen sind es gerade die fantastischen Welten, die uns eine Möglichkeit der Selbstwahrnehmung durch Fremddarstellung und Entscheidungsfreiheiten geben.

Zuletzt möchte ich noch ein Danke an den kürzlich verstorbenen Terry Pratchett richten. Nirgends fand ich eine schönere Vorstellung der Idee der Fantasy als in Gevatter Tod. Die Satire der Fantasy treibt diese Vorstellung für mich noch auf die Spitze und selten hat jemand mich so über das Leben belehrt wie der Tod.




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Treue wird oft als Hauptkritikpunkt in einer Beziehung genannt. Sowohl als Grundvoraussetzung als auch als einer jener Punkte, welche definiert werden müssen, da es hier zu Trennungen kommt. Ist es der Kuss? Ist es der Verkehr? Ist es der emotionale Betrug? Ist es die emotionale Entfremdung? Ist es der Flirt?

Hier wird für mich sehr schnell deutlich, dass Treue gar kein so felsenfestes Gebilde ist wie ich lange vermutet hatte. Ich spreche hier also von dynamischer Treue. Wenn wir den Begriff Treue also enger halten möchten, dann ist es sinniger von Vertrauen zu sprechen. In einer Partnerschaft vertraut man also sich und dem Partner etwas zu. Man hegt die Hoffnung, dass Gleiches mit Gleichem vergolten wird.

Doch auch hier reicht die Definition nicht in das 21. Jahrhundert hinein.

Eine offene Beziehung legt oft eine rein platonische Treue zu Grunde. Aus der Welt der erotischen Berufe gibt es bekannte und unbekannte Paarungen, in welchen es um private Enthaltsamkeit geht oder nur die Keuschheit der Frau, welche nicht aus Keuschheit, sondern Liebe geboren ist. Es gibt auch die Form der Treue, welche über den Tod oder die Distanz hinaus geht. Oft wird auch diskutiert wie sehr homosexuelle Liebe oder das Ausprobieren in Absprache einen Treuebruch darstellt. Teils ist sogar eine Sexpraktik Gegenstand von Diskussion.

Es gibt ebenso die Konzeption von freier Liebe, die das Korsett von einer Beziehung ablehnt. Dies wird oft geboren aus dem Unwillen oder Unvermögen seine private Emotion gesellschaftskonform machen zu müssen. Hierbei können Individuen sich nur als Menschen vertrauen, aber nicht als Partner.

Vielleicht ist die bessere Definition von Treue also Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Wenn man das Korsett von einer Bindung wählt oder romantischer, wenn das Korsett einer Bindung Herzen auswählt, dann sollte es ein Arrangement geben, welches zumindest umreißt wann ein Treuebruch für eine Partei existiert.

Die Konsequenz spielt hierbei wohl die größte Rolle. Ein Treuebruch mag also auch ein Bruch von Vertrauen und Wahrhaftigkeit sein, doch wie reagieren der oder die Partner? Hierbei möchte ich die Dynamik betonen, wodurch ich vermute, dass Treue nicht nur ein dynamischer Begriff bei der Definition ist, sondern sich gleichzeitig in der Anwendung immer neu anpasst und verändert.

Nun kann man sich natürlich weitere Gedanken machen, wie man in Beziehungen agieren möchte oder von nun an die Institution ablehnen, aber die Dynamik ist wahrscheinlich schwer zu verleugnen.

 

 




Sprachgebrauch

In der Welt des deutschen HipHop hat natürlich die Kommerzialisierung und der Erfolg Einzug gehalten und damit tritt die Frage der Realness immer wieder auf. Wenn man aus der Sicht der „alten Meister“ der Ost- und Westküste sieht dann ist es für das Erleben von HipHop nicht nötig arm oder schwarz zu sein, sondern authentisch. Sich also Themen zu bedienen, welche einen als Master of Ceremony im Alltag begegnen.

Meine persönliche Frage ist obgleich aller Übertreibungen, bei welcher aus tonnenweise Kokain oft eher ein paar Gramm Marihuana werden und jeder Frau zwei oder drei, ob ein Rapkünstler der sich dem HipHop verschreibt wirklich noch real ist, wenn er sich einem Trend wie Fitness verschreibt.

Der Fitnesstrend hat sich neu etabliert und für viele im Zuge der ökologischen Revolution rund um Ernährung und Körperbewusstsein auch ein neuen Schönheitsideal geschaffen. Damit presst dieser Mainstream die Bodybuildingbewegung, die Magermodellabkehr und den Veganismus in eine Form zusammen.

Der Trend selbst hat seine hellen, wie natürlich auch seine Schattenseiten. Hier finden sich gesündere Menschen mit besserem Körper- und Selbstbewusstsein zusammen mit Chauvinisten und Selbstdarstellern, die ohne neue Medien und Fitnessstudioketten nicht mal einen Hauch der Idee wahrgenommen hätten.

So verfallen auch viele Deutschrapkünstler diesem Trend. Gerade bei diesem Trend sind viele der Überzeugung selbst darauf gekommen zu sein und eigentlich schon immer dieser Meinung gewesen zu sein. So stimmt es natürlich, dass diese Künstler von ihrer Lebensrealität erzählen und dass Selbstdarstellung für Künstler auch eine Erhöhung von Bekanntheit und damit Einnahmen bedeutet.

Gleichzeitig gibt es jedoch die Grundintention einer jeden Stilrichtung, welche sich mit Lyrik beschäftigt etwas auszusagen. Sei es Gesellschaftskritik oder die Freude die Drogen und Reichtum verursachen. Nun ist die Frage ob mit der Bedienung eines Trends lediglich eine konsumierende Hörerschaft gelockt wird oder es tatsächlich um eine Lebenswirklichkeit geht.

Damit tritt für mich anhand dieses Trends, der sehr gut in das Milieu der Deutschrapper des 21. Jahrhunderts passt, die Frage nach Realness also Authentizität und Glaubwürdigkeit noch stärker auf den Plan.




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Die EZB fährt eine Nullzinspolitik und erwägt die Einführung von Helikoptergeld. Beide Ideen sollen die europäische Wirtschaft wachsen lassen und beflügeln. Der Konsum und die Investionen sollen gestärkt werden. Ich sehe diese Entwicklung aus diversen Gründen sehr skeptisch. Ich versuche mich hier in der Darstellung eines Szenarios des Finanzmarktes, anstatt einer Empfehlung für Sparer bzw. Aktionäre.

Die Legitimation für das Handeln der EZB wird oft von der Nullzinspolitik der USA abgeleitet. Allerdings wird hierbei nicht bedacht, dass die Freihandelspolitik der USA einen anderen Rahmen bietet und gleichzeitig die USA nicht aus unterschiedlichen und finanziell massiv unterschiedlichen Nationalstaaten besteht. Japan hat bereits seit langem einen effektiven Nullzins und dies ohne den geplanten Erfolg. Die USA rücken bereits nach drei Jahren schon wieder von dieser Zinspolitik ab.

Die Nullzinspolitik ist wie auch Helikoptergeld ein Instrument vergangener Jahrhunderte. Nullzinsen führen fast automatisch zu den sogenannten „Blasen“. Die Immobilienkrise in den USA oder Spanien könnte einem eine Lehre sein, aber es scheint mir eher ein Indiz dafür zu sein, dass diese Konjunkturpolitik eben genau dies ist, Politik.

Es ist also möglich, dass diese billigen Kredite eher die Rolle der EU-Rettungspakete einnehmen. Statt weiter Geld in die bankrotten Staaten zu pumpen hofft man darauf, dass bsw. Griechenland seine Probleme mit diesen Krediten alleine lösen kann und die starke Konjunktur dafür sorgt, dass ein nachhaltiges Wachstum entsteht.

Dabei ist es abzusehen, dass neben einer Immobilienblase eine Staatenblase entsteht. Sobald der Zins wieder angehoben wird würden diese Staaten unter der Prämisse, dass deren marode Systeme weiterhin nicht funktionieren völlig untergehen. Dies würde dazu führen, dass entweder der Nullzins für hunderte Jahre beibehalten werden muss oder die EU-Finanzkrise entgültig auf den denkbar schlechtesten Weg gelöst wurde.

Betrachtet man nun gleichzeitig die Forderung nach Bargeldobergrenzen von 5000 Euro und der Bargeldabschaffung, dann ist diese Entwicklung gleichzeitig ein massiver Eingriff in die persönlichen Freiheiten der EU-Bürger. So könnte man sein Bargeld nur noch Finanzinstituten zur Verfügung stellen und das bei negativen Zinsen, also wäre man gezwungen auf Teufel komm raus zu konsumieren und daran gehindert Kapital anzusparen.

Hier ist im Bezug auf andere aktuelle Krise die Finanzkrise auf die EZB abgewälzt worden, die damit im Angesicht dieses Szenarios völlig überfordert ist.




Aktuelles

Mode ist der Stereotyp für eine Metasymbolik. Man spricht historisch von dem Phänomen Mode ab dem Zeitpunkt in welchem die Begrifflichkeit eine Symbolwirkung erreicht, welche nicht mehr ignorierbar ist. Sobald es eine Mode gibt hat man als Individuum nur noch die Wahl ob man sich ihr bewusst anpasst oder bewusst gegen sie entscheidet. Die bewusste Antihaltung geht oft einher mit Uniformität, so ist sogar das ablehnen von Uniformität wie etwa bei Punks bereits eine Uniformität.

Das Phänomen Mode hat damit eine gesamtgesellschaftliche Relevanz entwickelt, dass die Einzelne es schlicht nicht mehr ignorieren kann und jeder eine Vorstellung von dem Phänomen besitzt. Diese Metasymbolik strukturiert einen erheblichen Teil unserer Gesellschaft in positiver und negativer Weise.

In negativer Weise beeinflusst Metasymbolik unsere persönliche Haltung quasi im Sinne des freud´schen Über-Ichs. So etwa brechen Ehen am häufigsten bei der Geburt der Kinder oder deren Auszug. Die Begründung für diesen Bruch liegt in der Abwertung der Religion und der Metasymbolik Ehe, welche zu sogenannten „kalten Füßen“ führen kann oder eben zu der Vorstellung, dass eine gescheiterte Ehe schlecht für die Kinder ist.

In positiver Weise kann Metasymbolik dafür verantwortlich sein sich innerhalb einer Gesellschaft auf bestimmte Werte und Normen zu einigen. So gibt es auch sittenwidrige Handlungen nach dem rechtlichen Verständnis und genauso eine Wertegemeinschaft in politischer Einigung.

Gleichzeitig können Metasymboliken enorm gefährlich für eine öffentliche Diskussion und die Öffentlichkeit sein. Wenn Metasymbolik eine derartige Wirkkraft entwickeln, dass sie eine öffentliche Meinung vorprogrammiert, dann kann die öffentliche Diskussion unter Ideologien leiden. Außerdem können Themen diese Diskussion bestimmen, welche nicht einmal in die Öffentlichkeit gehören.

Die einzigen Krisen für den Stand von Metasymboliken sind die Trends. Trends können Symbole neu definieren, umdefinieren oder obsolet machen. Außerdem gibt es dabei die Trendsetter, welche Einfluss nehmen können auf die Richtung in welche sich diese Symbole richten.

In der Modewelt gibt es daher die vier Städte, Paris, London, New York und Mailand, welche durch ihre Modeschöpfer beeinflussen welche Wirkung und welche Bedeutung dieses Metasymbol einnimmt. Bei der Ehe sind es allerdings neben den religiösen Traditionen wesentlich mehr und unterschiedlichere Akteure und so gibt es Symbole, welche einfacher oder schwieriger zu verändern sind.




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