Big Brother – Die Bewerbung auf den menschlichen Wert

Big Brother ist ein TV-Format, welches weltweit Erfolge feiert. Die Idee ist nicht nur simpel, sondern auch lange undenkbar gewesen. Gerade die negative Konnotation durch die Namenswahl in Bezug auf 1984 ist herausragend gut. Während es in Deutschland zur ersten Staffel noch riesige Diskussionen über den „Menschenzoo“ gab, ist es heute ein Teil der Popkultur. Hier geht es entweder um die Möglichkeit Geld zu verdienen oder genug Popularität, um daraus Geld zu machen. Und damit geht es um den menschlichen Wert, den Menschen als Produkt.

Zu beobachten gibt es immer sehr ähnliche Strategien, um sich selbst zu vermarkten. Und auch, wenn diejenigen, welche die Bildsequenzen zusammen schneiden und kommentieren einen riesigen Einfluss haben und es durchaus wahrscheinlich ist, dass einiges vorher abgestimmt wird, dann ist trotzdem ersichtlich wer vor einem breiten Publikum den größten Eigenwert verdient.

Die klassischen Strategien sind oft gut auszusehen und sich zu zeigen, eine Liebesgeschichte mit Drama, witzig sein, sich um Haushalt und/oder andere kümmern und oft auch „einfach man selbst sein“.

Und umso mehr begeistert es mich, wenn bestimmte Menschen ihre Rolle überwinden, welche sie sich zurecht gelegt hatten und in eine ganz neue schlüpfen in welcher sie sich wohl fühlen. Denn ich gehe davon aus, dass man niemals „einfach man selbst sein“ kann, sondern stets und ständig, solange man beobachtet wird eine soziale Rolle einnimmt. Die Beobachtung hebt nämlich die Unschärferelation auf.

Was nun aber erstaunlicher Weise begeistert sind zwar die klassischen Rollen, doch was sich wirklich durchsetzt sind jene Personen, die sich selbst darstellen und dieses unverstellt. Es geht hier in keinem Moment um Authentizität, denn manche verstellen sich nicht und werden dennoch gering geschätzt.

Die Gewinner von Big Brother, sowie die wirklich erfolgreichen Teilnehmer sind genau diese, welche sich selbst darstellen und dabei eine tatsächliche Charakterstärke beweisen. Es geht bei dem „einfach man selbst sein“ darum auch ein guter und interessanter Mensch zu sein. Wenn ein Arschloch einfach so ist und handelt wie es ist, dann kommt trotz Allem weiterhin nur Kacke raus.

Daher halte ich das soziale Experiment Big Brother für unfassbar interessant, da hier entgegen jeder Idee von Menschlichkeit, Menschen bewertet werden und zwar danach wer sie sind oder wen sie darstellen. Hier wirken die Grundzüge des Zusammenlebens, da es oft nur um grundsätzliche Dinge, wie Nahrung geht und Handlung dadurch produziert wird, dass Langeweile herrscht. Alles in allem spiegelt Big Brother damit die gesellschaftliche Bewertung auf eine Bewerbung der bessere Mensch zu sein.

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