Cornern – Sprachgebrauch und Bedeutung

Cornern – Herleitung

Nun Cornern ist einfach herzuleiten. Ecke bedeutet in der englischen Sprache Corner, man germanisiert dieses Wort nun zu einem Verb und gelangt zu einer Tätigkeit in einer Ecke. Die Tätigkeit umfasst Konsum von legalen und illegalen Drogen, sowie herumsitzen und stehen. Man cornert in den Großstädten. In Großstädten gibt es gerade in den Bereichen der Vergnügungsviertel bzw. der Laufkundschaft Kioske, die hierzu unerlässlich sind, da sie die Getränke dazu stellen.

Ich möchte mich hier also mehr der Bedeutung vom Cornern widmen. Hierzu die Entstehung, die wirtschaftlichen Folgen und mein persönliches Empfinden.

Die Entstehung

Viele möchten gerade an den Wochenenden unter Leute kommen und sich amüsieren. Viele haben keine Lust zu tanzen oder einen eigentümlichen Musikgeschmack, daher werden sie nicht in Clubs gehen. Viele haben auch keinen großen Geldbeutel, deswegen werden sie die billigste Alternative wählen. Viele haben nicht einmal die Lust bei schönem Wetter drinnen zu sein oder sich Regeln eines Etablissements zu unterwerfen.

Diese Schnittmenge strandete, womöglich auch weil sie unterwegs war und sich nicht entscheiden konnte wohin. Sie strandete am Kiosk, der unverbindlichen Masse. Manche können früher oder später dazu stoßen und tatsächlich noch eine Lokalität aufsuchen und trinken hier nur vor und wieder andere wollten heute eh nicht so doll machen. Andere hoffen einen potenziellen Sexualpartner auszumachen oder wollen sich einfach nur einen reinsaufen, weil sie ihren aktuellen verloren haben. Gleichzeitig fühlt man sich dem Milieu der Straße zugehörig, man ist wild und richtig Ghetto und hofft auf eine Unterhaltung ‚a la Prügelei, Stress und so.

Das Bier für unterwegs, das Starterbier und das Wildpinkeln gab es schon immer. Doch hier trifft eine neue Kultur der Wochenendgestaltung auf das Althergebrachte.

Die wirtschaftlichen Folgen

Wirtschaftlich gehen natürlich die Gastronomiebetriebe, gerade die Kneipen drauf. Sie haben das Problem auszubaden zwischen ausbleibender Kundschaft und steigenden Mieten zu überleben. Die Clubs haben ihr eigenes Publikum. Die Unkosten die auf der Straße marodierender Jugendlichen verursacht werden steigen. Die Anwohner sind unglücklich, aber wissen nach meinem Empfinden wo sie wohnen und finden hoffentlich intelligente Wege.

Wie elementar diese Entwicklung ist wird daran bemessen werden wie lange dieses Phänomen sich in der Großstadt halten kann.

Mein persönliches Empfinden

Oh auch ich war Cornern. Es wiederstrebte mir zutiefst, ich möchte hier von verächtlicher Ablehnung sprechen. Es war für mich eine Veranstaltung von Gipstern, Halb-Gangster Halb Hipster. Jungs aus den Vororten Hamburgs die mal ihre dunkle Seite und ihre fehlende Bildung der Universität in die große, weite Welt tragen wollten, aber weder genug Taschengeld bekommen haben, noch der rythmischen Bewegung mächtig sind. Geschweige denn eigenes Geld verdienen oder zu halbwegs vollständigen Sätzen fähig sind, die nicht von 187 stammen.

Nun teils, teils.

Als Sammelbecken an einem öffentlichen Ort ist das Cornern sehr angenehm. Gleichzeitig stimmt es, dass man schnell unter Leute kommt in einem inzwischen entwickelten Rahmen. Die Zufuhr von Rauschmitteln und die Möglichkeit des Rauchens sind ausgezeichnet. Die frische Luft verhindert nassgeschwitzt zu sein und es gibt keine Schlange an der Urinentsorgung. Ich kann Cornern als Kompromiss zwischen Rausgehen und Zuhausebleiben begreifen und es als Freizeitbeschäftigung akzeptieren. Es ist eine sehr gute Alternative zu Musik die ich nicht mag, Balzverhalten in Tanzlokalitäten, Überfüllten Läden und bietet einen familiären Rahmen von Kommen und Gehen sowie der Abendgarderobe. Es ist wundervolle Möglichkeit der freien Entfaltung und Gestaltung, gerade für die Jugend einer Großstadt, die ihre Großstadt erleben und atmen möchte. Eine Jugend, die sich ganz selbstständig eine eigene Version des Wochenendes entwickeln kann ohne Zwang von Konsum, Lokalität und Geschmackszwang. Es ist eine quasi freiheitliche, friedliche Revolution der Jugend und begeistert mich.

Auf der anderen Seite widerstrebt es mir bei Wind und Wetter draußen zu sein. Ich verstehe nicht wie man auf Partnersuche geht, bei Partnern die man wortwörtlich an der Straßenecke schnell mal aufgabelt. Ich verstehe nicht warum ich aus Plastikbechern saufen soll, wenn kein Grill angeschmissen wurde. Ich verstehe ja nicht mal warum ich nicht Zuhause die Playse anschmeiße, wenn die Mische trotzdem 3 Euro kostet. Unter Leute kommen, ja aber was für Leute, da bleib ich ja lieber bei denen mit denen ich sowieso da bin. Es ist doch ein fauler Kompromiss nicht alle Vorzüge des steil gehens mitzunehmen nur um zu sparen oder schlicht weil man nicht gerne steil geht. Oder sich was besseres sucht, als der Ort der genauso überfüllt ist mit den gleichen Leuten, die einem auch innerhalb von Lokalitäten auf den Nerv fallen. Revolution, pah da kann ich auch sagen ich besteig nur den halben Berg, sauf mir da einen rein und nenn das Basislager+.

Ich bin also das Opfer eines gespaltenen Erlebens was das Cornern angeht. Ich werde es nicht aufgeben und nicht mehr darüber spotten. Ich bleibe aber in jedem Fall gespannt wie diese Entwicklung ausgeht.




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