Nie wieder Deutschland! -Eine Absage an die Nation

Natürlich ist die Parole „Nie wieder Deutschland!“ zu platt. Sie aber nicht unbedingt falsch. Das Argument der Nation sollte in dem gesellschaftlichen und politischen Denken des 21. Jahrunderts keine Wirkungsmächtigkeit entfalten. Warum ich den Begriff der Nation ablehne, möchte ich anhand von drei Begriffen erläutern. Diese Begriffe sind Nationalismus, Patriotismus und Nationalstolz. Diese Begriffe haben eine unterschiedliche Konnotation, aber ich möchte jeweils deutlich machen, warum ich sie ablehne.

Nationalismus

Bei Nationalismus handelt es sich um eine alte politische Idee. Es gibt unterschiedliche Definitionen und Ausprägungen von Nationalismus, aber alle Spielarten haben folgende Gemeinsamkeiten. Die Nation wird bei dem politischen Handeln in den Vordergrund gestellt. Diese Nation besteht aus einem bestimmten Volk und es wird eine Abgrenzungen zu anderen Völkern vorgenommen. Moderne Europäer lehnen in Europa zum Beispiel die europäische Union ab. Amerikanische Politiker lassen sich wohl zu einem großen Teil als Nationalisten bezeichnen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht falsch verstanden werden. Der Nationalismus ist grundsätzlich eine legitime politische Idee, solange andere Nationen dadurch nicht abgewertet werden. Die Idee ist allerdings überholt. Durch die Globalisierung ist die Welt so weit vernetzt, dass der Bezugspunkt der Nation viel zu kurz gegriffen ist. Probleme auf einem Teil der Welt werden sehr schnell zu Problemen, die für alle Menschen von Bedeutung sind. Das Beste für „meine“ Nation ist also, dass es allen Menschen gut geht. In Europa zeigt sich dieses darin, dass die EU schon eine viel größere Bedeutung hat, als die einzelnen Nationalstaaten. Man hat einfach gelernt, dass man nur zusammen zu guten Lösungen kommt. Natürlich ist die EU aktuell nicht perfekt, aber in Zukunft wird man gezwungen sein europäische Lösungen zu finden.

Patriotismus

Patriotismus oder das deutsche Wort der Vaterlandsliebe ist eine Emotion. Ich muss sagen, dass ich dieses diffuse Gefühl einfach nicht nachvollziehen kann. Ich sehe es wie Gustav Heinemann „Ach was, ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau; fertig!“. Klar ist es schön in Deutschland zu leben. Lokalpatriotismus ist für mich daher auch viel eher nachzuvollziehen. Es handelt sich immerhin häufig um das Gebiet in dem man aufgewachsen ist und man verbindet viele Erinnerungen daran. Diese Form von Patriotismus ist mit einem Augenzwinkern zu sehen. Schöne Orte, in denen man ein gutes Leben führen kann, gibt es überall auf der Welt. Ein Grund für meinen geliebten Ort in den Krieg zu ziehen und ehrenvoll zu sterben, sehe ich darin allerdings nicht. Liebe sollte echten Menschen gelten und nicht abstrakten Gebilden. An dieser Stelle möchte ich auch den Begriff des Verfassungspatriotismus diskutieren. Für Deutschland würde es bedeuten, dass ich nicht Deutschland liebe, sondern das Grundgesetz, weil ich die darin enthaltenen Grundsätze so gut finde. Diesen Patriotismus finde ich zwar ehrenwert, aber ich denke in der Realität ist er kaum anzutreffen. Darüber hinaus finde ich es unlogisch, dass ich um bestimmte Prinzipien gut zu finden, unbedingt die Verfassung eines bestimmten Staates lieben muss. Die Forderung nach Rechtsstaatlichkeit und Demokratie kann auch universell gelten.

 

Nationalstolz

Nationalstolz bezeichnet laut Duden das „Gefühl des Stolzes, einer bestimmten Nation anzugehören“. Diese Art von Stolz ist erbärmlich. Es ist keine Leistung als Deutscher, Amerikaner oder Türke geboren zu sein. Wenn man darauf stolz ist zu einer bestimmten Nation zu gehören kann das nur auf ein dummes Überlegenheitsgefühl zurückgeführt werden, welches sich darin ausdrückt, dass man sich aufgrund seiner Nationalität per se anderen überlegen fühlt. Natürlich bin ich froh oder dankbar, dass ich in Deutschland leben darf und als deutscher Staatsbürger große Privilegien genießen darf. Das bedeutet aber nicht das ich einen Grund habe darauf stolz zu sein. Wenn eine Leistung dafür erbracht wurde, dann liegt diese nur bei meinen Eltern. Nationalstolz ist etwas für Menschen, die sonst keine Leistung finden auf die sie stolz sein können. Das ist zwar grundsätzlich erst mal nachvollziehbar.  Nur macht es den Nationalstolz nicht weniger ablehnungswürdig.

 

Zusammengefasst halte ich den Begriff der Nation für nicht mehr zeitgemäß. Patriotismus ist Energie in eine falsche Richtung gelenkt und Nationalstolz ist der Stolz der Verlierer.

 

 

-„Ich glaube nicht, dass wir sehr eng verwandt sind, aber wenn du fähig bist, jedes mal wenn auf der Welt eine Ungerechtigkeit geschieht vor Entrüstung zu beben, dann sind wir Genossen, was wichtiger ist.“  -Che Guevara

 




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