Wovon lebt der Mensch? – Lebensstil

Wir leben in einer Zeit, in welcher der Mensch wohl mehr Freiheiten hat als jemals zuvor. Genau darin steckt aber das wesentliche Problem unserer Zeit. Alles ist irgendwie in Ordnung. Kein Lebensentwurf ist besser oder schlechter als ein anderer. Dieser Relativismus, verbunden mit einem ausgeprägten Individualismus führt dazu, dass es keine Orientierung mehr gibt. Früher wurde diese Funktion von den christlichen Kirchen und der damit verbundenen Moralvorstellung übernommen. Die Menschen konnten sich zwar nur in diesem relativ festgefügten Vorstellungen bewegen und waren weniger frei, allerdings stellten sich viele Fragen von heute gar nicht. Religion spielt heute kaum noch eine Rolle, allerdings ist es durchaus so, dass viele Menschen noch an so etwas wie eine göttliche Gerechtigkeit glauben. Gutes Verhalten wird in irgendeiner Weise belohnt und schlechtes Verhalten wird bestraft. Das wird nur nicht mehr Himmel oder Hölle genannt sondern zum Beispiel Karma. Rational betrachtet müsste man sich auch von diesem Gedanken trennen, wenn man den Glauben an einen Gott ablehnt. Dieses zeigt, dass Menschen einen Bezugsrahmen möchten. Ein weiteres wichtiges Element, welches durch die Säkularisierung verloren gegangen ist, ist die einfache Hoffnung auf ein besseres Leben. Wenn nicht in diesem Leben dann dafür nach dem Tod.

Die Orientierungslosigkeit, die durch den Verlust an einen religiösen Bezugsrahmen und der damit verbundenen Hoffnung des Heilsversprechen, ausgelöst wird, lässt sich im 21. Jahrhundert auch nicht mehr durch Ideologien heilen. Die beiden großen Ideologien des 20. Jahrhunderts, der Kommunismus und der Kapitalismus haben ihre Versprechen nicht halten können und Utopien haben sich zu Dystopien gewandelt. Die Hoffnung auf eine bessere Welt wurde enttäuscht und man ist heute weit davon entfernt in einer Welt zu leben in der alle Menschen die Chance auf ein menschenwürdiges Leben haben. Dabei ist wichtig zu betonen, dass die Welt heute zweifelsohne nicht schlechter ist als vor hundert oder fünfzig Jahren.

Wovon lebt der Mensch? Ich denke eine wesentliche Antwort darauf ist die Hoffnung. Die Hoffnung auf ein besseres Leben und eine bessere Welt. Wenn diese Hoffnung fehlt, dann beginnen die Menschen sich Sorgen zu machen und denken sie müssten ihren Status gegen andere verteidigen. Im schlimmsten Fall führt das dazu, dass Minderheiten als potentielle Gefahren gesehen werden, die einem etwas wegnehmen wollen. Eine positive Zukunftsvision ist also notwendig. Eine positive Ideologie oder eine Utopie, die eine bessere Welt für alle verspricht ist von Nöten. Wie diese aussehen soll ist momentan unklar. Eine Idee wäre eine Ideologie einer gerechten, nachhaltig bewirtschafteten Welt und der Mensch der mit der Natur im Einklang lebt. Von so einer positiven Ideologie sind wir aber weit weg.

 

„Der Mensch lebt nur von Missetat allein“  -Bertholt Brecht


 




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