Wie Facebook die Demokratie zerstört

Ein wesentliches Charakteristikum der modernen westlichen Demokratie ist der Pluralismus. Unter Pluralismus versteht man grob zusammengefasst, dass es unterschiedliche Weltanschauungen und Wertvorstellungen in einer Gesellschaft gibt. Die Aufgabe eines demokratischen Systems besteht darin, zwischen diesen unterschiedlichen Weltanschauungen einen Diskurs herzustellen und Verfahren zu entwickeln um gerechte Kompromisse zu erzielen. In Deutschland hat dies in der Vergangenheit vergleichsweise gut funktioniert.

Wenn man heute allerdings aktuelle Diskussionen verfolgt scheint es, als wäre dieser Diskurs kaum noch möglich. Das offensichtlichste Beispiel dabei ist die Diskussion um Flüchtlinge. Auf der einen Seite findet sich eine extreme Position, die alle Menschen die Flüchtlingen positiv gegenüber stehen als Gutmenschen abwertet. Auf der anderen Seite werden Menschen die Flüchtlingen negativ gegenüber stehen als Nazis verunglimpft. Wie kommt es zu dieser Unfähigkeit zum Diskurs? Man könnte argumentieren, dass Dummheit auf der einen oder anderen Seite dazu führt. Die Ursache liegt aber tiefer.

Die Grundlage eines jeden Diskurs ist eine gemeinsame Basis auf welcher diskutiert werden kann. Dazu muss Einigkeit über grundsätzliche Fakten bestehen. Beispielsweise müssen sich die Teilnehmer des Diskurses um den Mindestlohn über grundsätzliche wirtschaftliche Zusammenhänge einig sein, um überhaupt eine Diskussion zu ermöglichen. Ausgehend von dieser Basis können unterschiedliche Meinungen diskutiert werden und ein Kompromiss gefunden werden. Diese Basis fehlt in vielen Diskursen heutzutage.

Woran liegt das?

Die einfache Antwort ist: Facebook. Dies erfordert eine Erklärung. Überraschender Weise möchte ich dafür auf eine Rede von Angela Merkel verweisen. „In den Zeiten, als ich groß geworden bin, war klar, dass man zwei Fernsehprogramme im Westen hatte. Wenn man DDR-Fernsehen nicht gesehen hat, hat man eben darüber gesprochen, ob man ZDF oder ARD gesehen hat. Damit war schon ein gemeinsamer Gesprächsstoff für den nächsten Tag da. Heute können Sie bestenfalls noch bei einem Nationalmannschaftsspiel“. Dieses Zitat beschreibt eindrücklich, dass durch das Internet und die daraus folgende Individualisierung dazu führt, dass eine gemeinsame Basis verloren gegangen ist. Dieser Trend geht immer weiter. Heutzutage gibt es nicht nur verschiedene Fernsehsender, es gibt auch Youtube, Netflix und unendlich viele weitere Angebote. Deutlich problematischer ist allerdings, dass nicht nur die Unterhaltung individualisiert ist, sondern auch Nachrichten. Es gibt extrem viele unterschiedliche Nachrichtenseiten, die teilweise widersprüchliche Fakten präsentieren. Das eigentliche Problem ist allerdings, dass die meisten Nachrichtenseiten relativ einseitig berichten. Normalerweise kann man von halbwegs gebildeten Menschen erwarten, dass sie sich dann noch andere Informationen besorgen. Hier kommt nun Facebook ins Spiel. Facebook hat das Ziel, dass die Nutzer möglichst lange und aktiv auf Facebook bleiben. Daher gibt es den Algorithmus, dass man Sachen angezeigt bekommt, die man sich vorher angesehen hat und die einem wahrscheinlich gefallen. Falls man sich also einen kritischen Artikel über Flüchtlinge angeguckt hat werden in Zukunft viele verschiedene kritische Artikel angezeigt. Das führt dazu, dass Eindruck entsteht Flüchtlinge sind eine extreme Gefahr. Wenn sich nun eine andere Person eher freundliche Artikel anguckt, werden auch eher freundliche Beiträge angezeigt. Diese beiden Personen bauen sich eine komplett unterschiedliche Realität zusammen. Ein Diskurs ist nun fast nicht mehr möglich. Dies ist in einer Demokratie schwierig auszuhalten.

In den USA zeigt sich ein ähnliches Phänomen. Die Zuschauer von dem konservativem Sender Fox News leben in einer komplett anderen Welt wie die Zuschauer von liberalen Sendern wie MSNBC.

Wie sollte eine Demokratie mit so einer Entwicklung umgehen? Die fortschreitende Individualisierung lässt sich nicht aufhalten. Es gibt also nur die wenig zufriedenstellende Antwort, dass der Staat dafür zu sorgen hat, dass die Menschen bereits in jungem Alter in Medienkompetenz geschult werden. Nur wenn die Menschen lernen verschiedene Standpunkte zu betrachten kann wieder eine gemeinsame Basis geschaffen werden.

 

-„Es ist allgemein anerkannt, dass keine Wissenschaft ohne Kampf der Meinungen, ohne Freiheit der Kritik sich entwickeln und gedeihen kann“ -Josef Stalin




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